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Energieeinkauf: Warum der richtige Beschaffungszeitpunkt entscheidend ist

Beim Energieeinkauf konzentrieren sich viele Unternehmen zunächst auf eine zentrale Frage: Welcher Anbieter bietet den besten Preis?

Mindestens genauso wichtig ist jedoch eine andere Frage: Wann wird die Energie eingekauft?

Denn Strompreise verändern sich kontinuierlich. Entwicklungen an den Großhandelsmärkten, Brennstoffpreise, CO₂-Preise, Wetterbedingungen, geopolitische Ereignisse sowie Veränderungen bei Angebot und Nachfrage können die Preisentwicklung beeinflussen.

Wer sich erst wenige Wochen oder Monate vor dem Ende eines bestehenden Liefervertrags mit der nächsten Beschaffung beschäftigt, reduziert damit seinen eigenen Handlungsspielraum. Unternehmen müssen dann innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitfensters entscheiden – unabhängig davon, ob die aktuelle Marktsituation für den Einkauf attraktiv ist.

Ein professioneller Energieeinkauf beginnt deshalb nicht mit dem Vertragsende, sondern deutlich früher.

Warum ist der Zeitpunkt beim Strom- und Energieeinkauf so wichtig?

Strom wird an den Energiemärkten für unterschiedliche Lieferzeiträume gehandelt. Unternehmen haben dadurch grundsätzlich die Möglichkeit, zukünftige Energiemengen bereits im Voraus zu beschaffen oder ihre Beschaffung über verschiedene Zeitpunkte zu verteilen.

Das eröffnet strategische Handlungsmöglichkeiten.

Gleichzeitig lässt sich die Entwicklung des Energiemarktes nicht zuverlässig vorhersagen. Das Ziel einer professionellen Beschaffungsstrategie kann deshalb nicht darin bestehen, dauerhaft den niedrigsten Marktpreis zu treffen.

Vielmehr geht es darum, Beschaffungsrisiken zu steuern, Handlungsspielräume zu erhalten und Einkaufsentscheidungen auf nachvollziehbare Kriterien zu stützen.

Gerade für Industrie- und Gewerbeunternehmen mit hohen Verbrauchsmengen kann dies relevant sein. Schon vergleichsweise kleine Preisunterschiede je Kilowattstunde können sich bei großen Abnahmemengen deutlich auf die gesamten Energiekosten auswirken.

Das Vertragsende sollte nicht den Einkaufszeitpunkt bestimmen

Ein typisches Szenario: Der bestehende Stromliefervertrag läuft zum Jahresende aus. Einige Monate vorher werden Angebote eingeholt, verglichen und anschließend wird der gesamte zukünftige Bedarf zu den zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Konditionen eingekauft.

Das kann funktionieren. Es bedeutet allerdings auch, dass das Unternehmen stark von der Marktsituation innerhalb dieses begrenzten Zeitfensters abhängig ist.

Sind die Preise zu diesem Zeitpunkt erhöht, bleiben möglicherweise nur wenige Alternativen. Zusätzlich entsteht Zeitdruck, weil die Anschlussversorgung sichergestellt werden muss.

Strategische Energiebeschaffung setzt früher an.

Dabei werden bestehende Vertragslaufzeiten, Verbrauchsmengen und mögliche zukünftige Beschaffungszeiträume rechtzeitig betrachtet. So können Unternehmen prüfen, ob sich bereits vor dem eigentlichen Vertragsende sinnvolle Einkaufsentscheidungen treffen lassen.

Festpreis, Tranchen oder flexible Beschaffung?

Welche Beschaffungsstrategie geeignet ist, hängt unter anderem von Verbrauchsstruktur, Planungssicherheit, Risikobereitschaft und internen Ressourcen des Unternehmens ab.

Festpreis: hohe Kalkulierbarkeit

Bei einem klassischen Festpreismodell wird der Energiepreis für einen definierten Lieferzeitraum vereinbart.

Der Vorteil liegt insbesondere in der Planungssicherheit: Das Unternehmen kennt die vereinbarten Konditionen und kann entsprechend kalkulieren.

Gleichzeitig wird der Beschaffungszeitpunkt besonders relevant. Wird die gesamte Menge an einem einzigen Zeitpunkt fixiert, ist das Unternehmen für diese Menge entsprechend stark von dem dann vorherrschenden Preisniveau abhängig.

Tranchenbeschaffung: Einkauf auf mehrere Zeitpunkte verteilen

Bei einer Tranchenstrategie wird der Energiebedarf nicht vollständig zu einem einzigen Zeitpunkt beschafft. Stattdessen werden Teilmengen schrittweise zu unterschiedlichen Zeitpunkten fixiert.

Dadurch lässt sich das sogenannte Timing-Risiko verteilen.

Das Unternehmen ist nicht vollständig davon abhängig, ob ein einzelner Einkaufstag beziehungsweise Einkaufszeitraum besonders günstig oder ungünstig war.

Eine Tranchenstrategie erfordert jedoch eine klare Systematik: Wann werden Mengen beschafft? Welche Marktbewegungen lösen eine Entscheidung aus? Wie groß sollen einzelne Tranchen sein?

Ohne definierte Strategie kann aus Flexibilität schnell Unsicherheit werden.

Flexible und marktnahe Beschaffungsmodelle

Abhängig von Verbrauch und Unternehmensstruktur können auch flexiblere Beschaffungsmodelle infrage kommen. Dabei können beispielsweise Terminmarkt- und Spotmarktkomponenten miteinander kombiniert werden.

Solche Modelle ermöglichen eine stärkere Orientierung am Marktgeschehen, bringen jedoch auch größere Preisschwankungen und einen höheren Steuerungsbedarf mit sich.

Deshalb sollte die Beschaffungsstrategie immer zum individuellen Risikoprofil des Unternehmens passen.

Marktbeobachtung statt Blick in die Glaskugel

Wann genau der niedrigste Strompreis erreicht wird, lässt sich im Voraus nicht sicher bestimmen.

Professionelles Marktmonitoring versucht daher nicht, den einen perfekten Einkaufszeitpunkt vorherzusagen. Vielmehr geht es darum, aktuelle Entwicklungen kontinuierlich zu beobachten und einzuordnen.

Dazu können beispielsweise Großhandelspreise für Strom und Gas, Terminmarktentwicklungen, CO₂-Preise, Wetterprognosen, Erzeugungssituation sowie politische und geopolitische Entwicklungen gehören.

Entscheidend ist jedoch nicht die Menge der verfügbaren Marktdaten, sondern deren Einordnung für das jeweilige Unternehmen.

Eine Preisbewegung allein beantwortet noch nicht die Frage, ob ein Einkauf sinnvoll ist.

Erst in Verbindung mit dem aktuellen Beschaffungsstand, den bereits gesicherten Mengen, dem zukünftigen Bedarf und der definierten Risikostrategie entsteht daraus eine belastbare Entscheidungsgrundlage.

Fünf Fragen für Ihren Energieeinkauf

Unternehmen sollten ihre aktuelle Beschaffung deshalb regelmäßig überprüfen:

  1. Wann laufen unsere bestehenden Lieferverträge aus?
  2. Wann beschäftigen wir uns erstmals mit den nachfolgenden Lieferjahren?
  3. Beschaffen wir unseren gesamten Energiebedarf zu einem einzigen Zeitpunkt oder verteilen wir das Preisrisiko?
  4. Werden Marktbewegungen laufend beobachtet und für unsere Beschaffung eingeordnet?
  5. Gibt es eine definierte Beschaffungsstrategie mit klaren Entscheidungsregeln?

Wer diese Fragen nicht eindeutig beantworten kann, sollte seinen bisherigen Beschaffungsprozess genauer betrachten.

Strategischer Energieeinkauf schafft Handlungsspielraum

Eine professionelle Energiebeschaffung bedeutet nicht, ständig auf den vermeintlich perfekten Strompreis zu warten.

Vielmehr geht es darum, frühzeitig Handlungsmöglichkeiten zu schaffen.

Wer sich rechtzeitig mit zukünftigen Lieferperioden beschäftigt, kann verschiedene Beschaffungsmodelle vergleichen, Marktbewegungen beobachten und Entscheidungen auf mehrere Zeitpunkte verteilen.

Damit verändert sich auch die Rolle des Energieeinkaufs im Unternehmen: Aus einer Aufgabe, die kurz vor Vertragsende erledigt werden muss, wird ein kontinuierlich gesteuerter Prozess.

Energieeinkauf mit b2b energy strategisch aufstellen

b2b energy unterstützt Industrie- und Gewerbeunternehmen dabei, ihre Energiebeschaffung langfristig und strukturiert auszurichten.

Dazu gehören unter anderem die Analyse bestehender Verträge und Verbrauchsdaten, die Entwicklung einer zum Unternehmen passenden Beschaffungsstrategie sowie die kontinuierliche Beobachtung und Einordnung der Energiemärkte.

Je nach Ausgangssituation können Festpreis-, Tranchen- oder flexible Beschaffungsmodelle betrachtet und auf Verbrauch, Planungshorizont und Risikoprofil abgestimmt werden.

Dabei steht nicht das Versprechen im Mittelpunkt, immer den niedrigsten Marktpreis zu treffen. Entscheidend ist vielmehr, Einkaufsentscheidungen planbarer zu machen und nicht erst unter Zeitdruck vor dem nächsten Vertragsende handeln zu müssen.

Wie gut ist Ihr Energieeinkauf aufgestellt?

Wann beschäftigen Sie sich mit den nächsten Lieferjahren? Wie werden Beschaffungsentscheidungen getroffen? Und passt Ihre aktuelle Strategie noch zu Verbrauch, Marktumfeld und Risikoprofil Ihres Unternehmens?

Lassen Sie Ihren Energieeinkauf prüfen und schaffen Sie frühzeitig die Grundlage für zukünftige Beschaffungsentscheidungen.

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