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Energieeinkauf strategisch planen: Festpreis, Tranchenmodell oder Mischstrategie?

Der richtige Zeitpunkt kann beim Energieeinkauf einen erheblichen Einfluss auf die Kosten eines Unternehmens haben. Wer seinen gesamten Strom- oder Gasbedarf zu einem einzigen Zeitpunkt beschafft, legt sich auf das zu diesem Moment verfügbare Preisniveau fest. Ist die Marktsituation ungünstig, kann sich diese Entscheidung auf die Energiekosten der gesamten Lieferperiode auswirken.

Gerade bei größeren Verbrauchsmengen wird der Beschaffungszeitpunkt damit zu einem relevanten Kosten- und Risikofaktor.

Eine Alternative zum klassischen Einkauf zu einem festen Zeitpunkt ist die Beschaffung in mehreren Tranchen. Dabei wird der benötigte Energiebedarf schrittweise zu unterschiedlichen Marktzeitpunkten eingekauft. Unternehmen reduzieren damit ihre Abhängigkeit von einem einzelnen Stichtag und verteilen ihr Preisrisiko.

Doch welche Strategie eignet sich für welches Unternehmen? Festpreis, Tranchenmodell oder eine Kombination verschiedener Beschaffungsformen sollten immer zum Energieverbrauch, zum Planungshorizont und zur individuellen Risikobereitschaft passen.

Warum ein einzelner Einkaufszeitpunkt zum Risiko werden kann

Energiepreise verändern sich kontinuierlich. Entwicklungen an den Großhandelsmärkten werden unter anderem von Angebot und Nachfrage, Brennstoffpreisen, Wetterbedingungen, geopolitischen Ereignissen, Kraftwerksverfügbarkeiten sowie politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen beeinflusst.

Dadurch können sich die Marktpreise innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit deutlich verändern.

Wer seinen gesamten zukünftigen Energiebedarf an einem einzigen Termin beschafft, geht deshalb ein sogenanntes Timing-Risiko ein: Das Unternehmen ist stark davon abhängig, ob der gewählte Einkaufszeitpunkt im Nachhinein günstig oder ungünstig war.

Bei einem Jahresverbrauch von mehreren Millionen Kilowattstunden können bereits geringe Preisunterschiede erhebliche Auswirkungen haben.

Beispiel: Kleine Preisunterschiede können große Kostenunterschiede verursachen

Ein Industriebetrieb benötigt beispielsweise 5 Millionen kWh Strom pro Jahr.

Liegt der Beschaffungspreis zum gewählten Einkaufszeitpunkt nur 1 Cent pro kWh höher, bedeutet das rechnerisch:

5.000.000 kWh × 0,01 Euro = 50.000 Euro

Bei 2 Cent Preisunterschied wären es bereits 100.000 Euro.

Das Beispiel verdeutlicht, warum die Frage nach dem richtigen Beschaffungszeitpunkt bei energieintensiven Unternehmen weit über eine operative Einkaufsentscheidung hinausgeht.

Was bedeutet Energieeinkauf in Tranchen?

Bei einer Tranchenbeschaffung wird der prognostizierte Energiebedarf nicht vollständig zu einem einzigen Zeitpunkt eingekauft. Stattdessen wird die benötigte Menge in mehrere Teilmengen – sogenannte Tranchen – aufgeteilt.

Diese Tranchen können zu unterschiedlichen Zeitpunkten beschafft werden.

Ein vereinfachtes Beispiel:

  • 25 % des prognostizierten Bedarfs werden zu einem ersten Zeitpunkt beschafft
  • weitere 25 % zu einem späteren Zeitpunkt
  • anschließend folgen weitere Teilmengen
  • am Ende ergibt sich aus den verschiedenen Beschaffungspreisen ein durchschnittlicher Energiepreis

Die konkrete Ausgestaltung kann deutlich differenzierter erfolgen. Anzahl und Größe der Tranchen sowie die jeweiligen Beschaffungszeitpunkte sollten zur individuellen Einkaufsstrategie des Unternehmens passen.

Welche Vorteile bietet die Tranchenbeschaffung?

Das zentrale Ziel eines Tranchenmodells besteht nicht darin, garantiert den niedrigsten Marktpreis zu erzielen. Vielmehr geht es darum, Beschaffungsrisiken zu verteilen und die Abhängigkeit von einem einzigen Marktzeitpunkt zu reduzieren.

Preisrisiken werden auf mehrere Zeitpunkte verteilt

Bei einem einmaligen Einkauf entscheidet ein einziger Marktzeitpunkt über einen großen Teil der zukünftigen Energiekosten.

Bei einer Tranchenstrategie verteilt sich dieses Risiko auf mehrere Einkaufsentscheidungen. Ein ungünstiger Beschaffungszeitpunkt betrifft dadurch nur einen Teil der benötigten Energiemenge.

Unterschiedliche Marktphasen können genutzt werden

Fallen die Preise während des Beschaffungszeitraums, können weitere Tranchen zu einem niedrigeren Preis eingekauft werden.

Umgekehrt gilt allerdings auch: Steigen die Preise, können spätere Tranchen teurer werden. Die Strategie schützt deshalb nicht grundsätzlich vor steigenden Preisen, sondern reduziert vor allem die Abhängigkeit von einer einzelnen Marktphase.

Unternehmen erhalten mehr Handlungsspielraum

Eine strukturierte Energiebeschaffung ermöglicht es, Marktentwicklungen kontinuierlich zu beobachten und Einkaufsentscheidungen über einen längeren Zeitraum zu verteilen.

Dadurch wird der Energieeinkauf von einem einzelnen Beschaffungstermin zu einem laufenden strategischen Prozess.

Festpreis oder Tranchenmodell: Was ist besser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Beide Beschaffungsmodelle haben ihre Berechtigung.

Entscheidend ist, welche Anforderungen das jeweilige Unternehmen an Kostenstabilität, Flexibilität und Risikomanagement stellt.

Festpreis: Hohe Kalkulationssicherheit

Beim klassischen Festpreismodell wird der Energiepreis für einen bestimmten Lieferzeitraum weitgehend zu einem definierten Zeitpunkt fixiert.

Der große Vorteil liegt in der Planungssicherheit. Das Unternehmen kennt wesentliche Bestandteile seiner zukünftigen Energiekosten und kann Budgets entsprechend kalkulieren.

Der Nachteil: Nach der Preisfixierung kann das Unternehmen von später fallenden Marktpreisen für die bereits beschaffte Menge in der Regel nicht mehr profitieren.

Das Festpreismodell kann deshalb insbesondere für Unternehmen interessant sein, bei denen eine hohe Budget- und Kalkulationssicherheit im Vordergrund steht.

Tranchenmodell: Risiko über mehrere Einkaufszeitpunkte verteilen

Beim Tranchenmodell steht dagegen eine schrittweise Beschaffung im Mittelpunkt.

Unternehmen erhalten dadurch die Möglichkeit, verschiedene Marktphasen für ihre Energiebeschaffung zu nutzen. Gleichzeitig müssen sie jedoch akzeptieren, dass der endgültige durchschnittliche Beschaffungspreis zunächst noch nicht vollständig feststeht.

Das Modell eignet sich daher vor allem für Unternehmen, die ihre Energiebeschaffung aktiv steuern und Marktentwicklungen regelmäßig berücksichtigen möchten.

Mischstrategien können beide Ansätze kombinieren

Zwischen einer vollständigen Festpreisfixierung und einer klassischen Tranchenbeschaffung gibt es zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten.

Eine individuelle Mischstrategie kann beispielsweise vorsehen, einen Teil des prognostizierten Energiebedarfs frühzeitig abzusichern und weitere Mengen zu späteren Zeitpunkten zu beschaffen.

Damit lassen sich unterschiedliche Ziele miteinander verbinden:

  • Grundlegende Kostensicherheit schaffen
  • Preisrisiken verteilen
  • Flexibilität für spätere Einkaufsentscheidungen erhalten
  • unterschiedliche Marktphasen berücksichtigen
  • Beschaffung an den individuellen Risikorahmen anpassen

Welche Aufteilung sinnvoll ist, hängt stark vom jeweiligen Unternehmen ab.

Welche Beschaffungsstrategie passt zu Ihrem Unternehmen?

Eine professionelle Energiebeschaffung sollte nicht allein von der Frage bestimmt werden, welches Modell aktuell besonders attraktiv erscheint.

Vielmehr müssen mehrere unternehmensspezifische Faktoren berücksichtigt werden.

Energieverbrauch und Lastprofil

Wie hoch ist der jährliche Strom- oder Gasverbrauch? Wie gleichmäßig verteilt sich dieser Verbrauch? Gibt es saisonale Schwankungen oder starke Lastspitzen?

Je besser der zukünftige Energiebedarf prognostiziert werden kann, desto gezielter lässt sich eine Beschaffungsstrategie entwickeln.

Risikobereitschaft

Wie stark dürfen Energiekosten schwanken?

Ein Unternehmen mit knapp kalkulierten Produktmargen kann beispielsweise eine andere Strategie benötigen als ein Unternehmen, das kurzfristige Preisschwankungen leichter auffangen kann.

Planungshorizont

Auch der zeitliche Horizont spielt eine Rolle. Wann endet der bestehende Liefervertrag? Für welche zukünftigen Lieferjahre soll Energie beschafft werden? Wie früh kann oder soll mit der Absicherung begonnen werden?

Professioneller Energieeinkauf beginnt deshalb nicht erst wenige Wochen vor dem Ende eines bestehenden Vertrags.

Budget- und Kalkulationsanforderungen

Für viele Industriebetriebe sind verlässliche Energiekosten ein wichtiger Bestandteil der Produkt- und Budgetkalkulation.

Eine Beschaffungsstrategie muss deshalb auch berücksichtigen, wie viel Kostensicherheit intern benötigt wird und welche Preisrisiken akzeptabel sind.

Marktmonitoring als Grundlage strategischer Energiebeschaffung

Unabhängig vom gewählten Beschaffungsmodell ist eine kontinuierliche Marktbeobachtung ein wichtiger Bestandteil des professionellen Energieeinkaufs.

Denn wer nur kurz vor Ablauf eines Liefervertrags auf die aktuellen Energiepreise schaut, kann lediglich auf die dann vorhandene Marktsituation reagieren.

Eine langfristige Marktbeobachtung schafft dagegen die Grundlage, Preisbewegungen einzuordnen und Beschaffungsentscheidungen systematisch vorzubereiten.

Dabei geht es nicht darum, den absolut niedrigsten Marktpreis vorherzusagen. Dieser lässt sich zuverlässig erst im Nachhinein bestimmen.

Entscheidend ist vielmehr, klare Entscheidungsregeln und eine zur Risikostruktur des Unternehmens passende Einkaufsstrategie zu entwickeln.

Energieeinkauf sollte kein Glücksspiel sein

Den gesamten Energiebedarf an einem einzigen Termin einzukaufen, kann funktionieren. Es bedeutet jedoch gleichzeitig, einen erheblichen Teil der zukünftigen Energiekosten von genau diesem Marktzeitpunkt abhängig zu machen.

Mit einer strukturierten Beschaffungsstrategie können Unternehmen dieses Risiko gezielter steuern.

Festpreis, Tranchenmodell oder Mischstrategie sind dabei keine universell guten oder schlechten Lösungen. Entscheidend ist, welches Modell zum Unternehmen, zum Verbrauch und zu den wirtschaftlichen Zielen passt.

Wie b2b energy Unternehmen beim Energieeinkauf unterstützt

b2b energy betrachtet Energiebeschaffung nicht als einmalige Ausschreibung, sondern als strategischen Prozess.

Dafür werden unter anderem der Energiebedarf, bestehende Vertragsstrukturen, der Planungshorizont und die individuelle Risikobereitschaft des Unternehmens analysiert.

Auf dieser Grundlage kann eine Beschaffungsstrategie entwickelt werden, die beispielsweise folgende Bereiche berücksichtigt:

  • Analyse des Strom- und Gasbedarfs
  • Bewertung bestehender Lieferverträge und Laufzeiten
  • Kontinuierliche Beobachtung der Energiemärkte
  • Entwicklung einer individuellen Einkaufsstrategie
  • Festlegung geeigneter Beschaffungszeitpunkte
  • Auswahl zwischen Festpreis, Tranchenmodell und Mischstrategie
  • Unterstützung bei Ausschreibung und Energiebeschaffung

Das Ziel ist nicht, auf den einen perfekten Einkaufszeitpunkt zu hoffen, sondern Energiepreise und Beschaffungsrisiken systematisch zu steuern.

Fazit: Energie nicht irgendwann einkaufen – sondern strategisch

Volatile Energiemärkte machen den Beschaffungszeitpunkt zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor. Wer seinen gesamten Bedarf auf einmal einkauft, konzentriert sein Preisrisiko auf einen einzigen Zeitpunkt.

Die Tranchenbeschaffung bietet eine Alternative: Der Energiebedarf wird schrittweise eingekauft und das Timing-Risiko damit auf mehrere Beschaffungsentscheidungen verteilt.

Welche Strategie am besten geeignet ist, hängt jedoch immer vom einzelnen Unternehmen ab. Verbrauchsstruktur, Risikobereitschaft, Planungshorizont und gewünschte Budgetsicherheit sollten gemeinsam betrachtet werden.

b2b energy entwickelt eine Energiebeschaffungsstrategie, die zu Ihrem Unternehmen und Ihren wirtschaftlichen Anforderungen passt.

Energie nicht irgendwann einkaufen – sondern strategisch.

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